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Treffpunkt Konjugation

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Index » Stolpersteine » Zäheit oder Zähheit?
Autor Beitrag
Elwetrittsche

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Beigetreten: 19/03/2011 03:02:32
Beiträge: 71
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Richtig ist seit der Rechtschreibreform die Schwreibweise "Zähheit"

Das ist auch durchaus nachvollziehber, das es sich um eine Wortzusammensetzung von zäh und heit handelt, wodurch das Wort zäh substantiviert wird.

Nicht immer sind die neuen Regeln der Rechtschreibreform sinnlos...
Wortraum

Normal

Beigetreten: 06/11/2010 19:47:25
Beiträge: 425
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Man kann aber auch argumentieren, daß zäh und heit zu einem Wort verschmelzen, bei dem die Wortfuge in der Aussprache verschwindet, wie es ja oft der Fall ist, wenn drei gleiche Konsonanten aufeinanderfolgen. In meiner Aussprache verschwindet hier aber nichts, und ich hätte es ohne Wissen um Wörterbuchempfehlungen mit hh geschrieben.

Hohheit sieht hingegen seltsam aus, obwohl es hier nichts anderes ist.

This message was edited 1 time. Last update was at 24/05/2011 20:28:01

Francar

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Beigetreten: 14/11/2011 22:15:37
Beiträge: 50
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Das ist mal eine Regel, die absolut Sinn ergibt für mich. Wenn es zwei separate Wörter sind, und eines mit dem gleichen Buchstaben endet wie das andere beginnt, dann sollte da auch nichts verschmolzen werden. Das ist für mich logisch. Selbst wenn es irgendwie komisch aussieht Man spricht es ja auch "Zäh heit" und nicht "Zäh eit" aus.
Tolles Beispiel dafür ist auch das Wort "Selbstständigkeit". Man hat es ja früher "Selbständigkeit" geschrieben. Da ergibt die "neue" Regel für mich mehr Sinn.

Ich habe die neue Rechtschreibung und Rechtschreibreform recht früh beigebracht bekommen und praktisch die neue deutsche Rechtschreibung schon in der Schule gelernt, musste mich praktisch gar nicht umgewöhnen. Ich hätte es aber nicht nachvollziehbar empfunden Zähheit nur mit einem h zu schreiben.

Daher gebe ich dir voll und ganz Recht, Elwetrittsche, nicht immer sind die neuen Regeln sinnlos
Wortraum

Normal

Beigetreten: 06/11/2010 19:47:25
Beiträge: 425
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Interessant, daß Du selbstständig für ein tolles Beispiel hältst, hat es doch nichts damit zu tun, daß bei der Zusammensetzung Buchstaben ausgelassen werden. Man kann das Wort auf zwei Arten bilden, nämlich mit den Teilen selb + ständig oder mit selbst + ständig. Beides gibt es seit jeher, die übliche Zusammensetzung ist aber, auch wegen der Aussprache, die erste.

Für die Erhebung der ungebräuchlichen Zusammensetzung zum Standard und der Verdrängung des Natürlichen gibt es kaum ein Argument. Dahinter steckt wohl eher der Irrtum, selbständig käme von selbst + ständig. Dem kann man nur dann unterliegen, wenn man schließt, selb sei nie produktiv gewesen, weil es heute nicht mehr produktiv ist. Das ist eine naive und falsche Schlußfolgerung. Daß man letztendlich beide Formen zuließ, ist also gut und richtig.

Eine lustige Anmerkung nebenbei. In §4 des amtlichen Regelwerkes heißt es: „(3) einige Wörter mit unklarem Wortaufbau oder mit Bestandteilen, die nicht selbständig vorkommen …“ Da wußte man wohl selbst nicht mehr so genau, was man beschloß.

This message was edited 1 time. Last update was at 17/11/2011 23:38:42

Francar

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Beigetreten: 14/11/2011 22:15:37
Beiträge: 50
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@ Wortraum

Immer hast du eine Antwort parat, mit hilfreichen und aufschlussreichen Kommentaren. Das gefällt mir gut, bringt Diskussionen in Gang. Warum bist du eigentlich kein Admin oder Moderator im Forum?

Ich muss dir jedoch widersprechen. Meiner Erfahrung nach ist selb + ständig nicht die übliche Zusammensetzung der zwei, die du aufgezeigt hast. Wenn ich über Selbstständigkeit spreche, betone ich es auch Selbst+ständigkeit. Und das habe ich auch immer so gehört, sei es in meinem Umfeld, in den Medien oder bei Seminaren. Vielleicht hat da ja noch jemand eine Meinung dazu, mich würde interessieren, wie andere Menschen dieses Wort aussprechen.

Ich verstehe jedoch nicht, warum es ein Irrtum sei, dass selbstständig nicht von selbst und ständig kommt?! Selb ist nicht mehr produktiv, sei es nie gewesen zu sein und das wäre eine naive und falsche Schlussfolgerung? Ich finde, dass das doch subjektiv betrachtbar ist, oder nicht?! Ich zum Beispiel kenne und benutze das Wort "selb" an sich nicht. Da könnten wir nun wieder damit anfangen, dass Sprache sich ja auch weiterentwickelt usw. Denn wenn selbstständig nicht von selbst und ständig kommen würde und es nichts damit zu tun haben würde, würden wir es doch nun nicht so schreiben, oder?

Dein Beispiel finde ich übrigens ganz witzig. Aber da könnten sich die Beamten des Regelwerks auch wieder damit herausreden, dass ja beide Schreibweisen zugelassen sind.
Wortraum

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Beigetreten: 06/11/2010 19:47:25
Beiträge: 425
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Hallo Francar,

vielen Dank für Dein Lob. Warum sollte ich Moderator sein? Hier gibt es eigentlich nichts zu moderieren, und ich bin lediglich sprach- oder deutschinteressierter Nutzer und will auch nichts anderes sein.

Wenn ich über Selbstständigkeit spreche, betone ich es auch Selbst+ständigkeit.
Ein solche Doppellaut ist ungewöhnlich und schwer auszusprechen, die Annahme, er falle der Sprachökonomie zu Opfer, liegt also nahe. Wie ich schon schrieb, haben wir es hier aber mit zwei Wortbildungen zu tun, nicht mit einer, die verschieden geschrieben wird.

Nun könnte man argumentieren, daß geschriebene nicht gesprochene Sprache ist – das ist richtig –, aber tatsächlich ist auch dort die selb-Form verbreiteter. Schon bei Grimm findet man: »vgl. persona ... selpsende (l. selpstênde, od. selpsînde?). 430a. ob dieses die vorstufe des nhd. selbständig (das seit dem 15. jh. begegnet: selbstendiglich im voc. v. 1482 s. Weigand und selbstständigkeit) ist, wie Weigand 2, 693 will, musz dahingestellt bleiben. jedenfalls überwiegt in der ältern sprache selbständig entschieden.«
http://woerterbuchnetz.de/DWB/?sigle=DWB&mode=Vernetzung&lemid=GS26190

Ich verstehe jedoch nicht, warum es ein Irrtum sei, dass selbstständig nicht von selbst und ständig kommt?! Selb ist nicht mehr produktiv, sei es nie gewesen zu sein und das wäre eine naive und falsche Schlussfolgerung?
Das behauptete ich nie. Ich schrieb, es sei ein Irrtum, daß selbständig von selbst + ständig komme. (Im weiteren markiere ich die Wortfuge mit einem Bindestrich, damit sie besser erkenntlich ist.)
• selb + ständig = selb-ständig
• selbst + ständig = selbst-ständig

Das sind zwei verschiedene Formen, die das gleiche bedeuten. Sie haben nichts gemein außer der Bedeutung und der Herkunft, denn selbst ist eine Form von selb. Selbst ist, laut Duden, der »früh erstarrte Genitiv Singular mit frühnhd. t-Auslaut wie in Papst, Obst«. Damit werden neue Zusammensetzungen gebildet, das heißt, es ist produktiv. Aber auch selb ist produktiv gewesen, es gibt jedoch nur noch wenige Wörter, in denen es enthalten ist. Mir fallen auf Anhieb nur vier ein: derselbe (und alle Varianten), selbander, selbdritt (und alle weiteren Bildungen) und selb-ständig.

Wenn man glaubt, selb-ständig setzte sich aus selbst + ständig zusammen, dann doch nur, weil man meint, selb sei niemals produktiv gewesen.

Es ging also nie, es kann nicht darum gehen, wie man selbständig schreibt, sondern lediglich darum, ob man die eine Wortbildung oder die andere Wortbildung bevorzugt. Die Reformer erkannten das selbst wohl nicht, in einer späteren Reform wurde aber nachgebessert und beide Wortbildungen zugelassen. Übrigens kann solch eine Reform keine Wörter aus dem Wortschatz verbannen, sondern nur deren Schreibung regeln. Da es sich hier um zwei Wörter handelt, nicht bloß um Schreibvarianten, stellte sich die Frage aber noch nie, ob man selb-ständig weiterhin schreiben dürfe.

Denn wenn selbstständig nicht von selbst und ständig kommen würde und es nichts damit zu tun haben würde, würden wir es doch nun nicht so schreiben, oder?
Selbstständig wurde noch nie anders geschrieben, es setzte sich auch noch nie aus etwas anderem als selbst + ständig zusammen.

Man kann sich auch nicht alles mit dem Totschlagargument Sprachwandel umdeuten, wie es einem paßt. Im Falle der Reform sind die Begründungen hin und wieder falsch, mit Sprachwandel hat das nichts zu tun. Und selbst die Reformer wagten sich nicht daran, Schreibungen wie dennoch zu ändern, obwohl sie argumentieren müßten, denn + noch führte zu dennnoch. (Ein Haupteigenschaft der Sprache ist übrigens nicht nur der Wandel, sondern die Beständigkeit und Übereinkunft, die tatsächlich die notwendige Grundlage für jegliche Kommunikation sind.)

This message was edited 3 times. Last update was at 18/11/2011 20:43:46

Esokiller

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Beigetreten: 24/11/2011 15:02:51
Beiträge: 50
Standort: Sicherheitsbeauftragter Securitas GMBH
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Hallo liebe Mitleser und Lieber User.

Erstmals musste ich nach einigen Recherchen feststellen, dass zäheit doch zusammen mit einem H geschrieben wird.
Weil dort war ich auch am grübeln ob es jetzt nur mit einem H oder mit zwei H geschrieben wird.

Jedenfalls hat sich ja jetzt doch rausgestellt das es auf die Betonung liegt.

Im Klarfall ist es so, das die Betonung, ZÄ und HEIT ist.

Die Meisten können das nicht so richtig raushören und schreiben es dann mal zu mal Falsch.

Naja mein Beitrag war wohl nicht so Hilfreich da mir die anderen Zuvor gekommen sind, aber ich hoffe ich habe das Beste drauß gemacht und konnte doch ein Wenig helfen.


Mit freundlichen Grüßen
Alex
[WWW]
 
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