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Index » Rechtschreibung » Das Semikolon
Autor Beitrag
Daisy_bluebell

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Beigetreten: 03/01/2012 20:11:32
Beiträge: 50
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Auch das Semikolon, auch Strichpunkt genannt, wirft bei mir immer wieder Fragen auf. Mit dieser Übersicht möchte ich nun Licht ins Dunkel bringen und ich hoffe, davon können noch mehr Leute profitieren:

1. Zwischen zwei längeren unverbundenen Hauptsätzen, die gedanklich zusammengehören, steht ein Semikolon.
Beispiel: Tausende von Neugierigen drängten sich um die Absturzstelle; sie erschwerten sie Rettungsarbeiten in erheblichem Maße.
2. Zwei Hauptsätze werden durch „denn, aber, doch, darum, dagegen, trotzdem, folglich“ u.ä. verbunden (Satzverbindung) und können durch ein Semikolon getrennt werden.
Beispiel: Die Ernte wird in diesem Jahr gut werden; denn das Wetter war sehr günstig.
3. Bei Aufzählungen, die in Gruppen geordnet sind, steht ein Semikolon.
Beispiel: In einem großen Kaufhaus gibt es alles, was man im Alltag braucht; Wäsche, Kleider, Schuhe, Mäntel; Betten, Möbel, Gardinen; Töpfe, Teller, Gläser; Waschmaschinen und Kühlschränke; Esswaren und Getränke.

Wer immer tut, was er schon kann,
bleibt immer das, was er schon ist.
Wortraum

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Beigetreten: 06/11/2010 19:47:25
Beiträge: 425
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Punkt 2 halt ich für sehr zweifelhaft. Gerade vor Nebensätzen hat ein Semikolon meistens nichts verloren, und bis auf denn handelt es sich bei den aufgezählten Wörtern um Subjunktionen. Das Beispiel halte ich für falsch, denn denn leitet die Begründung zum ersten Hauptsatz ein, die zwar auch ein Hauptsatz, meines Erachtens aber weit, sehr weit davon entfernt ist, gleichrangig zu sein.

Woher stammt die Erklärung im zweiten Punkt?

Im letzten Beispiel sollte vor der Aufzählung ein Doppelpunkt stehen, kein Semikolon.

This message was edited 1 time. Last update was at 06/01/2012 23:36:32

Daisy_bluebell

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Beigetreten: 03/01/2012 20:11:32
Beiträge: 50
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Hallo Wortraum,

da man ja selbst solche Regeln schwer alle Punkte zusammenbekommt, habe ich für meine Recherche ein offizielles Buch verwendet. Das Buch nennt sich „Richtig schreiben“ von Essner-Jungke. Es mag vielleicht sein, dass die Regel veraltet ist, aber sie ist keinesfalls falsch. Kein Deutschlehrer würde es im Diktat als falsch deklarieren. Natürlich könnte statt des Semikolons auch ein Komma stehen. Ich denke, hier kann der Schreiber die Zeichensetzung selbst wählen, je nach Stil.
Und im letzten Beispiel, kann sicher auch ein Doppelpunkt und ansonsten nur Kommata verwendet werden. Will man aber Dinge gruppieren, so kann man das Semikolon zu Hilfe nehmen.

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Wortraum

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Beigetreten: 06/11/2010 19:47:25
Beiträge: 425
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Wenn das Buch zur Einleitung einer Aufzählung ein Semikolon verwendet, dient es bloß zur romantischen Energiegewinnung im Kamin.

Es mag vielleicht sein, dass die Regel veraltet ist, aber sie ist keinesfalls falsch.
Ich habe so eine Regel finden können, nämlich in der Deutschen Sprachlehre für Gelehrtenschulen aus dem Jahre 1833 (Seite 256, bei Google-Bücher auffindbar). Ein Blick in vernünftige Literatur zeigt zudem: ja, das Semikolon kann so benutzt werden, auch heute noch. Hier ist ein Beispiel aus dem Zauberberg:
• „Ein Mann in Livree, mit Tressenmütze, sah zu, wie sie einander – der junge Ziemßen in militärischer Haltung – rasch und ein bißchen verlegen die Hände schüttelten, und kam dann heran, um sich Hans Castorps Gepäckschein auszubitten; denn er war der Concierge des Internationalen Sanatoriums »Berghof« und zeigte sich willens, den großen Koffer des Gastes vom Bahnhof »Platz« zu holen, indes die Herren direkt mit dem Wagen zum Abendbrot fuhren.“

Gegen die Gliederung eines solchen Satzgefüges vermittels Semikolon habe ich nichts einzuwenden.

Noch ein Beispiel:
• „Aber die Begegnung ergriff ihn gewaltig, sowohl während sie sich abspielte wie namentlich noch nachträglich; denn erst als alles vorüber war, sah er recht deutlich, wie es gewesen.“

Auch das Semikolon kann ich mir noch erklären, da es nach einem Einschub steht.

Ich finde aber auch Beispiele, die ich als fragwürdig bezeichnet hätte:
• „Aber innerlich ist er krank und außen zu warm vor Krankheit; denn Krankheit macht den Menschen viel körperlicher, sie macht ihn gänzlich zum Körper.“

Meine Behauptung muß ich deutlich abschwächen: sehr zweifelhaft ist die Regel 2 nicht, sie ist aber kein Freischein, um vor eine Konjunktion ein Semikolon zu setzen, bloß weil es eine Konjunktion ist.

Ich muß auch etwas zurücknehmen, denn es ist schlichtweg falsch: natürlich handelt es sich in Punkt 2 nicht nur um Subjunktionen. Übrigens habe ich auch Beispiele gefunden, in denen das Semikolon auch vor Subjunktionen steht, sie sind aber seltener (wenigstens im Zauberberg).

Ich habe auf jeden Fall wieder etwas hinzugelernt. Vielen Dank dafür.

This message was edited 1 time. Last update was at 07/01/2012 02:56:41

 
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