[Search]Suche [Recent Topics]Neueste Themen [Hottest Topics]Hottest Topics [Members]Mitgliederliste [Groups]Zurück zur Startseite [Moderation Log]Moderation Log [Register]Registrieren [Login]Anmelden

Treffpunkt Konjugation

Das Forum für die deutsche Sprache

Advertising

Index » Stil » Schreibstil direkte Rede in Zeitschriften
Autor Beitrag
Iggiz

Normal

Beigetreten: 29/06/2011 15:06:35
Beiträge: 200
Offline

Hallo,

in Zeitschriften ist mir aufgefallen, dass man die direkte Rede mit ihren Anführungszeichen weglässt.

In Unicum 08-2011 wird in "Liebesgeschichten mit Ende: Sophie & Mik" keine Anführungszeichen gesetzt, vielmehr wird alles hintereinander weg geschrieben. Eine Unterteilung gibt es nicht. Damit ein Bild davon habt, zitiere ich ein kleines Stück. Am besten beginne ich mit dem Anfang, sodass ihr die Möglichkeit erhaltet, wenn euch die Geschichte gefällt, euch sie zu besorgen und zu Ende zu lesen. Ich setze das Ganze einmal in Anführungszeichen. Also nicht wundern. Diese gehören nicht zur Geschichte, wie sie abgedruckt ist.

"Sophie war nach der Schule sofort zum Theater gegangen. Sie war eine Frau der Tat. Immer raus damit, immer nach vorn, mitten rein, dahin, wo's weh tut!, das war ihre Devise. Nach zwei Regieassistenzen inszenierte sie Was ihr wollt. Sie packte alles hinein, womit sie sich gerade beschäftigte und was sie erlebte. Die Premiere war chaotisch, aber alle im Raum hatten das Gefühl, dass da etwas Besonderes stattfand. Sophie war im Gespräch mit dem Dramaturgen, als sich ein junger Mann mit einer Szene-Brille neben sie stellte. Er blieb einfach stehen, bis alle anderen weg waren, dann sagte er: Ich fand das Stück sehr postmodern. Inwieferb?, fragt Sophie. Irgendwie diskursiv, ohne diskurslastig zu sein, sagte der Mann. Ich heiße übrigens Mik. Und dein voller Name?, fragte Sophie. Mike? Michael? Nein, sagte Mik, einfach Mik."

Man kann dennoch den Verlauf des Gespräches folgen. Mir ist es bloß aufgefallen, dass sich Zeitschriften nicht wie Bücher an diese Vorlagen halten. Dann ist es doch auch nicht verwerflich, dass Jugendliche diese auch nicht benutzen.

Warum werden also hier keine Anführungszeichen verwendet? Stören sie dem Lesefluss?

Mit freundlichen Grüßen

Iggiz
Wortraum

Normal

Beigetreten: 06/11/2010 19:47:25
Beiträge: 425
Offline

Sie stören natürlich nicht den Lesefluß, sondern verbessern ihn.

Wieso man sie in Deinem Fundstück wegläßt? Vielleicht um aufzufallen, vielleicht aus idealistischer Ansicht des Schreibers? Zwei aufeinanderfolgende Satzzeichen mit Elementen auf der syntaktischen Ebene – also alle Satzzeichen, die unten ein Punkt oder ein Komma haben – sind aber immer ein Widerspruch und wahrscheinlich ein Lesehindernis.

Dennoch werden sie gerne in Reklamheften oder den Hamburger Leseheften verwendet. Dort kommen sie jedoch nicht zustande, indem man Anführungszeichen wegläßt, also durch Weglassen von Informationen, sondern indem man Informationen hinzufügt, nämlich auf der pragmatischen Ebene mittels Fragezeichen oder Ausrufezeichen.
• Standardrechtschreibung: Wie kann das sein, fragte er sich.
• Hausorthographie: Wie kann das sein?, fragte er sich.

Ich halte davon nichts.

Möglicherweise – ich glaube es nicht –, sah man sich beim Unicum-Verlag im Konflikt mit der Staatsschreibung, die eine unleserliche Häufung wider des Verstandes vorschreibt.
• „Wie kann das sein?“, fragte er seine Mutter.
Statt:
• „Wie kann das sein?“ fragte er seine Mutter.
Es steht jedoch jedem Verlag frei, Satzzeichen vernünftig zu setzen, man muß sie deswegen nicht ganz weglassen.

Du könntest beim Unicum-Verlag nachfragen, warum dort dieser Umgang mit wörtlicher Rede bevorzugt wird, und deren Antwort hier preisgeben. Vielleicht haben sie ja tatsächlich einen interessanten Grund.

Nachahmenswert ist das Weglassen der Ausführungszeichen nicht, es fehlen schlichtweg wichtige Informationen, so daß man sich die Bedeutung aus dem Kontext erschließen muß, sofern das denn möglich ist. Dein Zitat selbst enhält sogar ein Beispiel, wo die Bedeutung erst am Satzende eindeutig ist; die Bedeutung dürfte aber die Erwartung des Lesers erfüllen, so daß ihm wenigstens Rücksprünge erspart bleiben.
• „Irgendwie diskursiv, ohne diskurslastig zu sein“, sagte der Mann. „Ich heiße übrigens Mik.“
• Irgendwie diskursiv, ohne diskurslastig zu sein, sagte der Mann: „Ich heiße übrigens Mik.“

This message was edited 1 time. Last update was at 13/02/2012 22:38:03

 
Gehe zu: