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Index » Grammatik » doppelte Perfektbildung XML

Autor Beitrag
humboldt11


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Beigetreten: 04/02/2010 08:34:20
Beiträge: 44
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Dem Phänomen der doppelten Perfektbildung begegnet man im Wesentlichen in der gesprochenen und in der mündlich gefärbten Sprache.

So hört man beispielsweise des Öfteren:

"Ich habe das ganz vergessen gehabt."
an Stelle von:
"Ich hatte das ganz vergessen."

oder

"Sie haben dort gestreikt gehabt."
an Stelle von:
"Sie hatten dort gestreikt."

In solchen Fällen wird also das Plusquamperfekt durch ein doppeltes Perfekt ersetzt.

Doch wie kommt es zu diesem Phänomen in der mündlichen Sprache? Hat diese Perfektdopplung eine Funktion?
Hat jemand vielleicht eine Idee warum man dies verwendet und wo der pragmatische Unterschied der Beispielsätze liegt?

Ich schätze das Phänomen tritt vermehrt im süddeutschen Sprachraum auf oder?
teerose


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Beigetreten: 29/01/2010 08:13:25
Beiträge: 52
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Liebe Humboldt,
ich glaube ich darf Sie mit dem hübschen Photo so nennen, oder? Ich halte diesen doppelten Perfekt immer für eine Art von Verdrängung... (rein psychologisch gesehen). Man könnte mit Grillpazer sagen:
"Man(n) nennt nur seine kleinen Fehler, die großen bleiben ungenannt, so klagt man (n) über das Gedächtnis, aber niemals über den Verstand!"
oder auch eine Emphase?
Emphase
{gr. emphasis „Verdeutlichung“}
Beispiel:

„Feiglinge sind sie alle!“ (); „Er ist ein Mensch“, d. h. – je nach Kontext – entweder ein schwacher, irrender Mensch oder ein guter, edler Mensch [z. B. „Schumacher hat wieder einmal bewiesen, ein Mensch und kein Roboter zu sein.“ („Der Spiegel“) bzw. „Und ich war doch auch ein Mensch, wäre gern geliebt worden und hätte gern geliebt.“ (Robert Hamerling, „Der Ungemütliche“)] Erklärung:

Nachdruck und Eindringlichkeit der Betonung und Gestik sowie Figur des uneigentlichen Ausdrucks
any


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Beigetreten: 30/11/2009 21:03:42
Beiträge: 77
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also aus dem Bayerischen kenne ich das weniger....

aber aus dem Schwäbischen und dem Badensischen.....

wo es auch heißt:
"mir gang go velo fahren."
"mir han go velo fahren g'si."
(hoffentlich habe ich das Dialektalisch richtig geschrieben....???)

vielleicht hat das damit nichts zu tun...aber das fiel mir dazu sofort ein.....
auch so ein doppelt-gemoppeltes Konstrukt.....
vielleicht gibt es da ja eine gemeinsame Erklärung zur Entstehung.
BT



Beigetreten: 27/04/2010 13:26:22
Beiträge: 26
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Hallo humboldt11,

"Ich habe das janz verjessen jehabt." ..."Sie haben dort jestreikt jehabt."

na, dämmert's? Das ist Berlin oder?
rtvln



Beigetreten: 03/07/2010 09:18:05
Beiträge: 12
Standort: Collega Oy
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"Sie haben dort gestreikt gehabt."
an Stelle von:
"Sie hatten dort gestreikt."
Der erste Satz beschreibt einen Zustand,der entweder immer noch dauert oder doch nicht? Der zweite Satz bildet einen Aktivsatz,aber fuer was? Der Zustand braucht gar kein Objekt,sondern stellt sich selbst als Zustand vor,während der Aktivsatz -es lässt sich vermuten-eher fuer etwas darstellt,aber nicht ganz erzählt,worum es gegangen sei.Beide Ausdruecke stellen mir gleichwertige Bedeutungen dar,ob Zustands-oder Aktivdarstellungen,und ich kann so etwas als logische Unterschiede als Fremdsprachlerin bezeichnen.Die Logik kann ich allerdings mit keinem Sprachwissen begruenden,aber durch meine Muttersprache verstehen.Wäre etwa wahrscheinlich,wie die Fremdsprachen die Struktur der deutschen Sprache beeinflussen?Welche besonderen Sprachen oder Dialekten?

Verwendung der Deutschen Sprache: Fragen und Antworten. Dienststelle Collega
[WWW] [Yahoo!] [MSN]
bcm1979


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Beigetreten: 14/11/2011 22:25:48
Beiträge: 34
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Liebe Diskutanten,

ich möchte mich hiermit nun auch in die Diskussion einklinken.

Ich komme aus dem Nordhessischen, und auch in unserem Dialekt ist dieses seltsame Konstukt weit verbreitet. Da ich aber sowieso relativ pedantisch dafür plädiere, die Vielfalt der deutschen Sprach zu erhalten- man denke nur an den verfall des Genitivs- habe ich mir selbst über dieses Phänomen schon einige Gedanken gemacht.

Ich komme zu der Hypothese, daß dieses Konstrukt daher resultiert, daß der Benutzer versucht, das Deutsche zu vereinfachen (wobei ich allerdings den Vereinfachungscharakter dieser Doppelung nicht erkennen kann).

Da das Plusquamperfekt in der normalen Umgangssprache relativ selten zum Einsatz kommt- und hier sehe ich die Parallele zum "Tod" des Genitivs-, es in manchen Situationen aber zur Verdeutlichung der zeitlichen Abfolge von Ereignissen unerläßlich ist, versucht der Sprecher, auf ein anderes Konstrukt auszuweichen.

So ist in dem einen Fall der Dativ dem Genitiv sein Tod (Bastian Sick), in der Anderen Situation konstruiert man etwas Neues aus Bekanntem (Plusquamperfekt wird zu doppeltem Perfekt, welches, nebenbei gesagt, in der Umgangssprache sowieso das Präteritum in weiten Teilen verdrängt hat).

if (ahnung == 0) or (hoffnung == 0) { read FAQ; use SEARCH; ask GOOGLE; } else { use brain; make post; } or { give up }
Wortraum



Beigetreten: 06/11/2010 19:47:25
Beiträge: 425
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Ich sah das Superplusquamperfekt auch schon als Ersatz für das Präteritum. Da ist es sehr sperrig und unbequem:
• schrieb
• habe geschrieben
• habe geschrieben gehabt

This message was edited 1 time. Last update was at 26/11/2011 11:52:49

yaqui



Beigetreten: 12/12/2011 19:35:59
Beiträge: 4
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Guten Abend,

in schweizerdeutschen Dialekten (auch in meinem eigenen) gibt es überhaupt kein Imperfekt und folglich auch kein Plusquam-Imperfekt, [verbform]sondern[/verbform] das echte Plusquamperfekt, wie ich es [verbform]nennen[/verbform] würde ...

"Ich war", "ich hatte", "ich ging", "ich schlief" etc. gibt es im Schweizerdeutschen einfach gar nicht. Trotzdem [verbform]kommen[/verbform] natürlich auch wir Schweizer in die Lage, vorvergangene Ereignisse zu beschreiben. Das klingt dann zum Beispiel so:


"I ha das ganz vergässe gha."
( "Ich hatte das ganz vergessen." )

"Mer si go Velo fahre gsi."
( "Wir waren radfahren gegangen." )

"Wo n er mer s Fieber gmässe gha het, het er mi sofort is Bett gschickt."
( "Als er mir das Fieber gemessen hatte, schickte er mich sofort zu Bett." )

Die Beispiele [verbform]zeigen[/verbform] übrigens, dass diese Konstruktion das Schweizerdeutsche keineswegs umständlich oder lang macht. Natürlich [verbform]gehören[/verbform] diese Formen nur in das Schweizerdeutsch und nicht in das (ev. auch schweizerisch gefärbte) Hochdeutsch. Schließlich ist ja Deutsch die erste Zweitsprache (ich würde nicht gerade [verbform]sagen[/verbform] "Fremdsprache"), die wir in der Schule lernen.

This message was edited 3 times. Last update was at 12/12/2011 21:23:28

 
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