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Die aktuelle Uhrzeit ist: 25/07/2014 14:32:24
Index » Grammatik » Immer weniger 2. Vergangenheit XML

Autor Beitrag
any


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Beigetreten: 30/11/2009 21:03:42
Beiträge: 77
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Hallo alle zusammen..........

hoffentlich habt Ihr alle die Feiertage gut überstanden.............

im Thema zu "belasen......" wurde es schon angedeutet...........
in der Praxis, habe ich gerade erst ein eindrucksvolles Beispiel gelioefert bekommen: ich gebe Nachhilfe bei einem Mädchen in der 3. Klasse Grundschule...........und sie sollte die unregelmäßigen Verben in der 2. Vergnagenheit (Imperfekt?) lernen...........als ich sie abfargte, kam der Schocker....."er kommte".........

also habe ich darüber nachgedacht...........

es ist wahr..........diese Zeit wird immer unüblicher............immer weniger gebraucht..............
v.a. in der gesprochenen Sprache............
viele Romane sind ja in dieser Zeit geschrieben..........aber was liest man mit 9 Jahren schon......einfache Texte, Comics, ecc.........und die stehen fast ausnahmslos in der Gegenward.........

kontrolliert doch mal selbst.........

wer von Euch sagt: ich buk ihm einen Kuchen zum Geburtstag.........
also ich sage: ich habe ihm einen Kuchen gebacken.......
aber ich kenne wenigstens die korrekte Form von "backen"........... .........naja............halbwegs wenigstens, denn ich wollte es mit "C" vor dem k schreiben...........

auf alle Fälle habe ich den Eltern gesagt, sie sollen sich die Geschichten, die die Tochter erzählen will, zur Übung in der 2. Vergangenheit erzählen lassen.............denka, das ist der beste und schnellste Weg..........
noch andere Ideen?
sushini



Beigetreten: 01/12/2009 23:11:00
Beiträge: 160
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Hi any,

mir selbst ist es noch nicht so stark aufgefallen, dass der Imperfekt (Präteritum,Vergangenheit) nur noch selten gebraucht wird, müsste ich selbst mal draufachten.

Jedenfalls backen ist die Vergangenheit buk(hab ich ehrlich gesagt noch nie gehört) und backte(regelmäßig),aber buk ist das unregelmäßige Präteritum.

Ich backte einen Kuchen zum Geburtstag.
Klingt besser als ich buk einen Kuchen.

Naja, die Kleine soll ja die unregelmäßigen Verben lernen, dann muss eben auch ich buk dran glauben. Aber nach meinem Wissen handelt es sich bei der zweiten Vergangenheit um Perfekt d.h. die vollendete Gegenwart. Es gibt beim Impefekt nur eine erste Vergangenheit. Nur als Hinweis nicht das die Kleine falsche Dinge lernt.

Es gibt übrigens süddeutsche Dialekte, da ist das Präteritum völlig verschwunden und wird vom Perfekt ersetzt.

Ideen für das Lernen von unregelmäßigen Verben:

1. Sie könnte selbst eine Geschichte verfassen mit regelmäßigen Verben oder später alle regelmäßigen Verben von denen es unregelmäßige Verbe gibt umformen. Oder du schreibst selbst eine kleine Kurzgeschichte und sie soll es umformen.

2. Memoryspiel basteln, wo man regelmäßige und unregelmäßige Verben zusammenführen soll

3. Mit irgendein Hobby verbinden = Musik, Tanzen usw.

Ich hoffe, ich konnte behilflich sein.
any


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Beigetreten: 30/11/2009 21:03:42
Beiträge: 77
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ehi, DANKE!!!!!

das sind ja ein paar ganz tolle Tips.........die werde ich gleich ausprobieren...........

das mit dem "buk"......war ja nur ein krasses Beispiel von mir..........ich habe nachgesehen, denn meine Mutter meinte aucg "backte"............aber es geht beides.........
aber mir gefiel "buk" so gut........und mit dem Beispiel hoffte ich möglichst viele Leser auf das Thema aufmerksam machen.........

an diesser Stelle wünsche ich Euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr!!!!!!!!!!!

bis nächstes Jahr!!!!!!
any
reeca


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Beigetreten: 30/11/2009 22:00:53
Beiträge: 50
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hm, das mit dem Geschichtenerzählen ist eine gute Idee, aber ich denk nicht, dass sie das dadurch lernt, daa sie ja niemanden hat, der dass kontrolliert, ob sie alles korrekt ausspricht. Denn wie du schon sagst, wird die 2 Vergangeheit immer weniger verwendet, sodass es die Eltern bestimmt auch nicht korrekt anwenden.

Das wären zumindest meine Bedenken.

Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod...
any


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Beigetreten: 30/11/2009 21:03:42
Beiträge: 77
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reeca,

so schlimm ist es Gott sei Dank noch nicht...........
die Eltern wissen die richtigen Formen, aber sie gebrauchen sie nur zu selten..........

aber leider war die Idee trotzdem nicht so besonders erfolgreich, weil die Eltern es einfach nicht machen...........
keine Zeit, vergessen, keine Lust........

aber erste Erfolge sind schon da.......
denn ich lasse mir diese Geschichten erzählen und sie wird von Mal zu Mal besser..........

schade, dass ich ja nocht jeden Tag da bin.......
rosmarin


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Beigetreten: 01/01/2010 17:09:02
Beiträge: 71
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hallo any,


die Konjugation von kommen habe ich so gefunden:

Präsens:

ich komme...du kommst... er/sie/ es kam...wir kommen... ihr kommt... sie kommen

Perfekt:

ich bin gekommen..du bist gekommen..er/si9e /es ist gekommen...wir sind gekommen... ihr seid gekommen...sie sind gekommen

Präteritum

ich kam... du kamst... er/sie /es kam..wir kamen... ihr kamt...sie kamen

Plusquamperfekt--Imperfekt:

ich war gekommen... du warst gekommen...er/sie/ es war gekommen.. wir waren gekommen... sie waren gekommen
sushini



Beigetreten: 01/12/2009 23:11:00
Beiträge: 160
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So gut, nun wissen wir auch die Deklination zu kommen unregelmäßg kam und nicht kommte ist, aber das war von any nur ein Beispiel, um zu verdeutlichen wo Schwierigkeiten auftreten.

Jedenfalls sollte der Titel geändert werden, denn die zweite Vergangenheit ist Perfekt ! Mehr dazu in meinem Beitrag zuvor.

Zu meinen Vorschlägen reeca natürlich sollte man bedenken das Eltern durch Beruf usw. wenig Zeit haben, aber ein Kind sollte immer durch irgendwen in den Grundschuljahren unterstützt werden, auch wenn jemand bezahlt werden muss. Ich glaube in anys Fall wird sie wohl so eine Art Nachhilfelehrerin sein, die versucht dem Kind zu helfen. Daher richteten die Ideen mehr an sie, als an die Eltern. Man kann Kindern Geschichten erzählen (beansprucht mal eine Stunde vom Tag und kann Spaß machen) und lässt die Kinder z.B. die unregelmäßigen Verben erraten (am besten sie wissen es) und den Infintiv zuweisen. Denn man sollte nicht immer die Verben in eine unregelmäßige Form umwandeln, sondern auch mal umgekehrt arbeiten. Denn so wird das Gehirn verschieden gefördert.

This message was edited 1 time. Last update was at 03/01/2010 15:10:15

Cexus


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Beigetreten: 30/11/2009 17:27:19
Beiträge: 100
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Eigentlich ist es ja schade, dass das Perfekt abspeckt, aber andererseits...


... ist es eigentlich nicht so wichtig, denn viele Sprachen kommen mit zwei, türkisch sogar nur mit einer Vergangenheit aus.

... hat man dann (ja ich weiß, das Argument bringe ich immer) die Möglichkeit mit gut eingesetztem Imperfekt
(also nicht immer) durch gehobene Sprache zu punkten.

Nagut, ganz so einseitig sehe ich es doch nicht, aber nur weil ich weiß dass das Arabische 6 (oder 5?) Vergangenheiten hat.


Cheers
any


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Beigetreten: 30/11/2009 21:03:42
Beiträge: 77
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aus dem Italienischen kann ich berichten, dass es dort 4 Vergangenheiten gibt (und sehr viel früher auch noch eine 5. Vergangenheit)............

dort ist es ähnlich.......
das Passato Remoto (gebraucht wie das Passato Prossimo) aber sehr weit in der Vergangenheit zurückliegend.......
wird auch dort immer ungebräuchlicher.............
nur noch in Büchern........
und in einigen Gegenden Süditaliens wird es noch gesprochen..........
aber es ist am Aussterben............
auch weil es mehr irreguläre als reguläre Formen hat.........

Wenn ich ehrlich sein darf...........finde ich diese Zeit wunderschön..........auch wenn ich mich mit den ganzen irregulären Formen abgerackert habe.........
rosmarin


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Beigetreten: 01/01/2010 17:09:02
Beiträge: 71
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hallo any

vielen lieben Dank für Deine Erkenntnis! Wir sind einer Meinung--- aber die Sprache heisst Muttersprache, weil sie von der Mutter gelehrt wird. Dies bedeutete in allen Kulturen, dass die Mutter mit dem Säugling sprach, dass sie das Kind mit sich nahm, ihm erklärte nun schälen wir Kartoffeln, nun kaufen wir ein Brot...usw.

Was ist heute? Die jungen Mütter sind gezwungen kurz nach der Geburt zu arbeiten, weil ansonsten nachher die Rente nicht reicht., oder auch weil man bzw die Frau ansonsten als nicht emanzipiert gilt. Die Spracherziehung wird dann meist dem Fernseher und dem Videogerät überlassen...Aber Sprache hat immer mit lebendigen Kontakten und Körperwärme zutun.Die Folge ist die Legasthenie.... vor siebzig Jahren, als die Familie noch intakt war... brauchte man sowas nicht.

Da gab es auch noch Grosseltern, Tanten , Onkel und einen engen Kontakt zur Familie, da gab es noch Geschwister und alle fühlten sich füreinander verantwortlich. Damals redete man auch noch nicht über den emotional Quoifizienten, weil Sozialverhalten und soziale Verantwortung da waren. Heute entwickelt Daniel Goleman Tests für US-Firmen um zu sehen oder besser auszutesten, wieviel Sozialverhalten der Kandidat hat.

Wenn ich dann eine Politikerin hören, bei der jedes zweite wort ist: "...ach habe ich schon erwähnt, dass ich sieben Kinder habe?" Mag ja eine leistung sein, ok!Aber wann haben die Kinder ihre M U T T E R gesehen? sie kennen wechselnde Nannys.. eine Morgennanny, eine Mittagnanny und eine Nachtnanny... einfach traumenhaft !!!!!

Statt viel Geld für eine Pflege-- und Alterssicherung auszugeben, bei der Rentner nichts haben als Einsamkeit und eine Hungerrente..wäre es sinnvoller Sozialgeld in Drei...oder ViergenerationenWohngemeinschaften zu stecken.
any


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Beigetreten: 30/11/2009 21:03:42
Beiträge: 77
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Rosmarin,

da hast Du ja schon recht.........aber soooooooo schlimmm sehe ich die Welt nun auch wieder nicht......

das Mädchen von dem ich anfangs erzählte, kommt aus einer sog. "intakten" Familie.........besser geht es kaum.....sie wohnt auf dem Land, ihre Eltern haben einen Bauernhof und sind eigentlich immer bei ihren Kindern......auch wenn sie im Stall arbeiten, sind sie nicht unerreichbar.........außerdem hat das Mädchen noch 2 Geschwister und genügend Freundinnen (reale, nicht virtuelle) und war auch im Kindergarten......

mir ist nur aufgefallen, dass sie so viele Fehler in dieser Zeit machte.......und suchte nach einer Erklärung.......
als ich dann besser darauf aufgepasst habe.......habe ich bemerkt, dass wir alle (Gesellschaft) diese Zeit immer stiefmütterlicher verwenden.........

egal ob wir arbeiten oder Hausfrauen sind.........
egal ob wir Abitur haben oder nicht..........

nicht dass wir diese Zeit nicht richtig konjugieren könnten..wir nehemn sie einfach nur noch sehr selten her!!!
Cexus


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Beigetreten: 30/11/2009 17:27:19
Beiträge: 100
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Ja genau, das sehe ich genauso.
Nicht, dass man es nicht könnte, man tut es halt nicht.
Fraglich natürlich warum?
Bequemlichkeit?
Erziehung?

Aber eine Vergangenheit musste sich ja durchsetzen, oder?

So sehe ich das

Cheers
humboldt11


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Beigetreten: 04/02/2010 08:34:20
Beiträge: 44
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Hallo Leute!

Wir haben das Phänomen in der Uni behandelt. Es ist tatsächlich so, dass Präteritum zu Gunsten des Perfekts immer seltener Verwendung findet. Dies ist aber nicht nur im Deutschen, sondern in sehr vielen europäischen Sprachen der Fall.

Es gibt also einen Trend weg vom synthetischen, hin zum analytischen Sprachgebrauch.

synthetische Verbformen

- grammatische und lexikalische Informationen sind in einer Wortform vereint

Beispiel:
"Ich las" - [las]= lexikalische Information (Tätigkeit lesen); grammatische Information (geschah in Vergangenheit)
"Lies den Brief!" - [Lies] = lexikalische Information (Tätigkeit lesen); grammatische Information (Imperativ/Befehlsform)


analytische Verbformen

- grammatische und lexikalische Informationen treten getrennt in zwei oder mehreren Verbformen auf

Beispiel:

"Ich habe gelesen"
- [habe] = grammatische Information (Vergangenheit)
- [gelesen] = lexikalische Information (Tätigkeit lesen)

This message was edited 1 time. Last update was at 05/02/2010 14:15:21

any


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Beigetreten: 30/11/2009 21:03:42
Beiträge: 77
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Wow......

das war echt interessant, Humboldt......so habe ich das noch nicht gesehen.

Also bedeutet das, dass wir durch unsere Art den Verstand im Alltag immer analytischer, mathematischer und spezialisierter verwenden (wenn wir es überhaupt tun)............uns das dann auch unseren Sprachgebrauch abfärbt.

Weg vom allgemeinen Wissen und Denken.....alla Leonardo......hin zum alles aufschlüsselnden und algorythmisch denkenden Spezialisten - um nicht zu sagen: Fachidioten????

Toller Ansatz...........Vielen Dank!!!!

ps
Was studierst Du denn??
humboldt11


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Beigetreten: 04/02/2010 08:34:20
Beiträge: 44
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Hallo any!

Ich studiere Sprach- und Literaturwissenschaften

Ich habe noch ein paar Beispiele für den Wandel hin zum Analytismus in der deutschen Sprache:

- Wegfall des Genitivs zugunsten einer Dativkonstruktion
Beispiel:
"Das Auto meines Vater" ersetzt durch "Das Auto von meinem Vater"

synthetisch: [meines Vaters]
analytisch: [von meinem Vater] - hier wird die grammatische Information in die Präposition "von" gesteckt

- Konjunktivumschreibung mit "würde"
Beispiel: "Ich sänge" wird zu "Ich würde singen"
[sänge] - synthetisch
[würde singen] - analytisch (grammatische Information durch "würde"; lexikalische Information durch "singen")


Ich finde das Thema auch wahnsinnig interessant
Aber wie gesagt, das tritt in sehr vielen europäischen Sprachen auf. Mich würde mal interessieren, ob das generell in allen Sprachen der Welt auftritt und somit ein ganz natürlicher Prozess ist oder ob es nur in einigen Sprachen zu finden ist und welche Ursachen es hat.

This message was edited 2 times. Last update was at 09/02/2010 09:54:43

 
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